
Eigentlich sollte es nur eine einzige Aufführung werden - eine Musical-Gala im November 2010 als Teil einer Marketing-Kampagne zur Bewerbung des Kultur-Standortes Bedburg. Immerhin ist das für November 2011 geplante Musicalprojekt Jekyll & Hyde ein Standortfaktor, der auch überregional Aufmerksamkeit auf die Stadt lenkt. Was lag da näher, als vorab schon einige Szenen aus diesem anspruchsvollen Musical zu präsentieren, auch wenn das eigentliche Bühnenbild noch gar nicht fertig ist, sondern derzeit noch vom Bühnenteam in Eigenregie gezimmert und dekoriert wird.
Vorsichtshalber haben wir gleich zwei Aufführungen eingeplant, neben der Premiere am 20.11. auch noch eine zweite Veranstaltung für den darauffolgenden Tag. Dieser Puffer hat allerdings nicht lange gehalten. Der Vorverkauf war noch gar nicht offiziell eröffnet, da waren beide Veranstaltungen schon ausverkauft. Kurz nach der Erwähnung im Bedburger Kulturflyer vermeldeten die im Flyer genannten Vorverkaufsstellen einen großen Ansturm, der innerhalb weniger Tage dafür sorgte, dass für den eigentlichen Vorverkauf keine einzige Karte mehr übrig blieb.
Glücklicherweise fand im Schloss erst am darauffolgenden Samstag wieder eine Veranstaltung statt, so dass wir in Absprache mit der Stadt für Mittwoch, den 24.11 und Freitag, den 26.11. kurzfristig noch zwei zusätzliche Aufführungen auflegen konnten. Die waren zwar ebenfalls schnell ausverkauft, aber sie haben zumindest den offiziellen Vorverkaufsbeginn überlebt, so dass sich jeder, der rechtzeitig die VVK-Stellen aufgesucht hatte, mit Karten eindecken konnte.
Für alle unsere Gäste sowie für all diejenigen, die es nicht geschafft haben, die Gala zu besuchen, hier nochmal zum Nachlesen das präsentierte Programm sowie einige Hintergrundinformationen zu den jeweiligen Musicals.
Jekyll & Hyde
London, im 19. Jahrhundert. Der Traum von einer besseren Welt treibt den engagierten Arzt Dr. Henry Jekyll immer tiefer in die Forschung zur Beeinflussung der Psyche. Er ist überzeugt davon, dass jeder Mensch zwei Charaktere in sich vereinigt, die ohne den jeweils anderen besser dran wären. Kein Gewissen würde das Böse hindern, nichts Negatives die reine Freude des Guten stören. Könnte man beide Charaktere von einander trennen, könnten sie separat handeln und behandelt werden. Die Verbannung des Bösen rückt in greifbare Nähe. Dr. Jekylls Forschungen führen ihn an einen Punkt, an dem er das Elixier JH7 in Händen hält, eine komplizierte, nach aller Kunst der Alchimie gemischte Mixtur, die Kontrolle im Wesen des Menschen von zwei Charakteren auf einen einzigen überträgt - den gerade stärkeren. Theoretisch zumindest; jedoch - es fehlt der Beweis...

Die Leitung der Londoner Krankenhäuser verwehrt Dr. Jekyll die Erlaubnis zu einem Experiment am Menschen, selbst wenn durch einen solchen Versuch Besessenheit und Wahnsinn heilbar scheinen. Dies wäre die letzte Hoffnung für Henrys Vater, der auf ein Krankenbett geschnallt dem Ende entgegen dämmert. Vergraben in den Kampf für diese Vision verpasst Dr. Jekyll beinahe selbst seine Verlobungsfeier mit der hübschen Lisa Carew. Die Feierlichkeit findet ihren Abschluss gleich eines Jungesellenabschieds im Bordell "Die rote Ratte". Die Prostituierte Lucy ist hier der Publikumsmagnet...
Henrys Vater stirbt. Im Selbstzweifel, nicht gehandelt zu haben, nimmt er selbst JH7 ... und verwandelt sich in Mr. Hyde. Dieser lebt die durch "gute Erziehung" verdrängten Schattenseiten völlig enthemmt aus. Vor nichts schreckt er zurück. Lucy, die von einem besseren Leben weit weg von London und seinem Schichtensystem träumt, sowie sämtliche Vorstände des städtischen Krankenhauses werden zu seinen Opfern. Jekyll selbst versucht verzweifelt die Kontrolle über das Experiment, sein Leben und den hemmungslos wütenden Hyde wieder zu erlangen. Der Kampf gipfelt in der direkten Konfrontation beider Charaktere.
Das Medley:

Im London des 19. Jahrhunderts geht ein Riss durch die Bevölkerung. Auf der einen Seite stehen die Privilegierten, die sich für die unersetzlichen Stützen der Gesellschaft halten, aber kaum wissen, wie das Leben auf der anderen Seite aussieht, der Seite der Menschen auf der Straße, das sich hinter der dünnen "FASSADE" der Menschen von Welt verbirgt. Protz und Präsentation einiger weniger helfen hier nicht aus der Wirklichkeit hinaus.
In dieser Trostlosigkeit träumt Lucy Harris von einem Mann, der sie bei einer kurzen Begegnung in der Roten Ratte beeindruckte: Dr. Henry Jekyll. "JEMAND WIE DU" könnte meinem Leben zu einem ganz anderen Sinn verhelfen. Henry Jekyll jedoch ist momentan nicht erreichbar. Stattdessen treibt sich der brutale Edward Hyde als entfesselter "MÖRDER" in der Unterwelt Londons herum und tötet all jene, die Dr. Jekylls Ersuchen um die Möglichkeit sein Elixier zu erproben, aus Prinzip ablehnten.
Jekylls Verlobte Lisa bemerkt die Veränderung, die sich auch in Henry selbst zeigt. Ihre Zukunftsvisionen waren noch vor kurzem voller Glück gewesen: "DA WAR EINST EIN TRAUM". Auch Lucy träumt von der Zukunft. "MEIN LEBEN" sollte ein völlig anderes sein, weit weg von London, von ihrem jetzigen Umfeld und mit höheren Ansprüchen an sich und die Welt.

Nur einer ist mit sich einverstanden und im Reinen: Mr. Hyde. "WELCH EIN GEFÜHL SO LEBENDIG ZU SEIN" ist sein wilder Ausruf, als er erstmals seine ungezügelte Freiheit in den nächtlichen Strassen Londons spürt. Die Verwandlung vom Ehrenmann Henry Jekyll geht über den tabulosen Freier hin zum "MÖRDER". Es war ein großer Moment. Die Verwirklichung aller Träume lag in Reichweite. Nur das Elixier JH7 musste noch genommen werden. "DIES IST DIE STUNDE". Doch dieser Triumph war von sehr kurzer Dauer. Am Ende bleibt nur noch die "FASSADE", das Lied des kleinen Mannes auf der Strasse.
Tanz der Vampire
Professor Abronsius aus Königsberg sucht mit seinem Assistenten Alfred in Transsylvanien nach Beweisen, die Existenz von Vampiren belegen sollen. In einen Schneesturm geraten verirren sie sich in den Gasthof des Wirtes Chagal, der hier mit seiner Frau und seiner Tochter Sarah ein Fest für die Einwohner des Dorfes gibt. Alfred verliebt sich auf den ersten Blick in Sarah, die ihm ebenfalls zugetan ist.

In der Nacht jedoch bekommt sie Besuch vom Grafen von Krolock - einem Vampir, der sie zum Mitternachtsball auf sein Schloss einlädt. Tatsächlich will er sie verführen, sich freiwillig beißen zu lassen, weil unter Vampiren das Blut von Freiwilligen als Delikatesse gilt. Sarah erliegt dem düsteren Flaire, der Gefahr und dem Reiz des Verbotenen, lässt Alfred links liegen und folgt dem Grafen auf sein Schloss.
Im Rückblick auf ihr bisheriges Leben spürt sie immer mehr die Sehnsucht nach einem Mehr an Aufregung und echtem Leben. Das sieht sie greifbar nahe im Grafen, in den sie sich jung verliebt hat. Graf von Krolock ist ebenfalls in Liebe zu ihr entflammt. Das Duett der beiden in "TOTALE FINSTERNIS" lässt keinen Zweifel daran, wer Sarah gewonnen hat.
Wicked

Ganz Oz feiert den Tod Elphabas, der Bösen Hexe des Westens. Nur Glinda, die gute Hexe, versucht Verständnis für Elphaba zu wecken, die seit ihrer Geburt aufgrund ihrer Hautfarbe und ihrer magischen Fähigkeiten eine Außenseiterin war, und erinnert sich, wie sie das grüne Mädchen kennen lernte und wie sie sich schließlich in Freundschaft trennten.
Das Duett "FOR GOOD" handelt von der Bedeutung wahrer Freundschaft, die das Leben verändern kann wie eine Naturgewalt. Welches Freundschaftsgeständnis könnte größer sein, als zu sagen: "Du warst da, darum hab ich mich verändert" - und ich hab mich zum Besseren verändert.
Elphaba, durch die Propaganda des Zauberers von Oz zur bösen Hexe stilisiert, hatte Glinda nämlich darum gebeten, nicht zu versuchen, ihren Namen reinzuwaschen, sondern sie als "Böse Hexe des Westens" in den Köpfen der Menschen verbleiben zu lassen. Diese willigt ein und die Freundinnen trennen sich in Frieden und vergeben einander.
Elisabeth, Geschichte einer Heiligen

Die Eisenacher Bürger erwarten gespannt die Ankunft Elisabeths, der Königstochter Ungarns, die im Alter von vier Jahren an den thüringischen Hof des Landgrafen Hermann I. kommt, um dort im Familienkreis ihres zukünftigen Ehemanns, des Thronfolgers Ludwig, aufzuwachsen. Schon bald gerät sie in eine soziale Isolation, da sie nicht als vollwertiges Mitglied der Landgrafenfamilie akzeptiert wird [HOL MICH HEIM]. Allein ihr zukünftiger Mann Ludwig und ihre Zofe Guda können im Laufe ihrer Kinderjahre eine freundschaftliche und vertrauensvolle Bindung zu ihr aufbauen. Elisabeth stellt sich zunehmend gegen ihre eigene feudale Schicht. Sie verweigert ihre Teilnahme am höfischen Treiben und am Leben im Überfluss. Damit bringt sie schon frühzeitig den Hof gegen sich auf.

Entgegen den Ratschlägen seiner Gefolgsleute, allen voran sein Bruder Heinrich und seine Mutter Sophie, heiratet Ludwig seine langjährige kindliche Verlobte Elisabeth aus ehrlicher Zuneigung und Liebe [DU RETTEST DIE WELT FÜR MICH]. Dem Hof missfällt diese Heirat. Der gelehrte Priester Konrad von Marburg, Kreuzzugsprediger und Vertrauter des Papstes, kommt nach Eisenach und macht Ludwig und Elisabeth am thüringischen Hof seine Aufwartung. In dem charismatischen Asketen findet Elisabeth eine väterliche Autoritätsperson und einen Seelenverwandten. Sie erkennt, dass er ihre Ansichten und Werte teilt. Konrad seinerseits ist tief beeindruckt von der fragilen und doch selbstbewussten jungen Gräfin. Er empfiehlt sich ihr als Beichtvater und Seelenführer. Elisabeth willigt ein, und in der Folgezeit wird Konrad für sie zum moralischen und religiösen Ideal.

Ludwig verlässt Eisenach, um sich an einer kriegerischen Fehde um die Grafschaft Meißen zu beteiligen. Elisabeth hat dafür keinerlei Verständnis. Sie gerät wegen ihrer Identifikation mit urchristlichen Werten zunehmend in Konflikt mit ihrer Rolle als Landgrafenfrau und dem damit verbundenen Standesunterschied zu den sozial Schwachen und Armen. Ihre Adelsprivilegien lehnt sie ab und versucht, wenn auch zunächst nur symbolhaft, Standesunterschiede zu überwinden. Teure Kleidung und dekadente Festgelage sind ihr ein Gräuel. Stattdessen wendet sie sich den Armen und Kranken zu. Während der Abwesenheit Ludwigs errichtet Elisabeth ein Armenhaus am Fuße der Wartburg. Nach Ludwigs glücklicher Rückkehr verbringt Elisabeth an der Seite ihres Mannes glückliche Jahre und bringt ihr erstes Kind, Hermann, zur Welt. Die freudige Dankbarkeit, die ihr die Notleidenden entgegenbringen, erfüllt sie mit innerer Zufriedenheit und tiefem Glück. Sie glaubt, ihre Aufgabe und ihren Platz im Leben gefunden zu haben [DER ERSTE SCHRITT].
Ludwig entscheidet sich auf Drängen seiner Gefolgsleute, zusammen mit Kaiser Friedrich II. an einem Kreuzzug teilzunehmen. Ausschlaggebend für seinen Entschluss ist die Überredungskunst Konrads, dessen Absichten aber eigennützig sind. Während der Abwesenheit Ludwigs bricht eine große Hungersnot über das Land herein. Zahllose Menschen sterben. Eigenverantwortlich entscheidet Elisabeth, die fürstlichen Kornkammern zu öffnen und rettet damit Tausenden hungernden Menschen das Leben. Heinrich ist völlig außer sich über das eigenwillige Handeln Elisabeths, doch ihm sind die Hände gebunden.

Dann aber stirbt Ludwig auf dem Weg nach Jerusalem an einer Seuche. Elisabeth nimmt die Nachricht vom Tod ihres geliebten Mannes mit resignierender Trauer auf. Heinrich, der jetzt die Regierungsgeschäfte übernimmt, verbannt Elisabeth von der Wartburg. Sophie, die erzürnt ist über das Verhalten Heinrichs, sagt sich von ihrem Sohn los und verlässt ebenfalls die Burg, um Elisabeth zusammen mit Guda zur Seite zu stehen. Elisabeth akzeptiert diese Verbannung ohne Widerspruch, ja ist beinahe glücklich darüber. Denn durch den Tod ihres Mannes hat sie sich noch weiter von allem Weltlichen entfernt. Sie deutet Ludwigs Tod als ihre Bestimmung und entscheidet sich für ein Leben in Armut und Hingabe. Fortan will sie sich im Sinne der christlichen Botschaft der Nächstenliebe ganz der Armen und Kranken annehmen. Sie kleidet sich in ein Bettlergewand und bettelt um Almosen. Wieder stößt sie auf Ablehnung, denn das Volk will Elisabeth als Fürstin und nicht als Bettlerin.
Konrad nutzt Elisabeths Opferwillen und ihre Leidensbereitschaft aus, um noch mehr Macht über sie zu erlangen. Er sieht sich selbst als gottgefällige Instanz, die Elisabeth mit allen Mitteln zur Heiligkeit führen muss. Er legt ihr schwere Bußübungen auf und gewinnt immer mehr Einfluss auf alle Lebensbereiche Elisabeths. Sie lässt sich von Konrad sogar dazu überreden, ihre kleinen Kinder in der Obhut ihres Schwagers Heinrich zu lassen. Sie folgt Konrad nach Marburg und baut dort ein Siechenhaus, das sie aus ihrem Witwengut finanziert.

Elisabeth kümmert sich mit Hingabe um das Wohl der Kranken. Im Leid dieser Menschen erkennt sie sich selbst. Sie findet in ihrer Wohltätigkeit den lang ersehnten Seelenfrieden. Allein die Krankenpflege sowie die Sorge um die Aussätzigen und Waisenkinder geben ihr einen Lebenssinn. Innerhalb kurzer Zeit verteilt sie ihren Besitz fast vollständig und widersetzt sich damit sogar Konrads Willen, der ihr befohlen hat, ihre Almosen einzuschränken. Allmählich erkennt Elisabeth Konrads wahres Gesicht und dessen krankhaften Machttrieb. Sie durchschaut die falschen Ideale, von denen sie sich hat verleiten lassen [LIEBE IST ALLES]. Dann bekommt Elisabeth Besuch von ihrem erstgeborenen Sohn Hermann. Der aber ist mittlerweile so von der Mutter entfremdet, dass die beiden keine gemeinsame Basis mehr finden.
Elisabeth erleidet einen Zusammenbruch, von dessen Folgen sie sich nicht mehr erholt. Von harter Arbeit ausgezehrt und allein gelassen, jedoch im Vertrauen auf einen tiefen Frieden und die Erlösung Gottes, stirbt sie im Alter von 24 Jahren. Der Papst ernennt Konrad hingegen zum ersten deutschen Großinquisitor, der sich nun mit Ketzerverfolgungen, Hinrichtungen und Verbrennungen einen grausamen Namen macht. Er entlädt seinen ganzen Selbsthass und den Schmerz, den der Tod Elisabeths in ihm ausgelöst hat, in seinen unmenschlichen Verurteilungen. Schließlich wird er wahnsinnig. Er klagt den Grafen von Sayn der Ketzerei an und behauptet, dieser würde einen Frosch von der Größe eines Backofens anbeten. Er will ihn auf den Scheiterhaufen bringen, unterschätzt jedoch den Einfluss des Grafen, dessen Vasallen Rache üben, indem sie Konrad schließlich ermorden.
Tarzan
Die nachfolgende Nummer stammt aus dem aktuellen Musical-Erfolg Tarzan von Phil Collins, den viele sicher kennen. In der anrührend schönen Ballade "YOU'LL BE IN MY HEART" geht es um die bedingungslose Liebe zwischen Mutter und Kind, die nichts und niemand zerstören kann. Und so heißt es in diesem Song dann auch: "Weine doch nicht, ich werde bei dir sein, ich werde immer für dich da sein, immer und ewig".
Chicago

Chicago, Illinois, im Frühling 1924. In der Chicago Tribune erscheinen Aufsehen erregende Artikel über den Mord der Beaulah Annan an ihrem Liebhaber Harry Kolstadt. Der Ehemann der Mörderin deckt diese zunächst, weil sie ihm erzählt, sie hätte einen vergewaltigenden Einbrecher erschossen.
Die Wahrheit sieht indes etwas anders aus. Beaulah erschoss ihren Liebhaber, weil er sie verlassen wollte. Während er einen langsamen Tod starb, hörte sie immer wieder den Song ‚Hula Lou' auf den Grammophon und war bei Eintreffen der Polizei stark alkoholisiert.

Beaulah wandert in den Knast und lernt dort die verwegene Belva Gaertner kennen. Belva ist Nachtclub-Sängerin und angeklagt, ihren Mann ermordet zu haben. Beide Damen sind ganz gerissene Kreaturen, engagieren einen prominenten Staranwalt für sich und wissen durch immer neue Geschichten über Verhöre und Schwangerschaften die Presse auf ihre Seite zu ziehen. Durch Überschriften wie "Zum Tod des Opfers spielte sie Jazz" oder "Mord-Prozess: Beaulah Annan wartet auf den Storch" machte die Chicago Tribune aus Annan eine Berühmtheit. Der Song "ALL THAT JAZZ", im Musical eine erotische Variteé-Nummer, spielt darauf an und die Jury erklärte sie schließlich für ‚nicht schuldig'. Die Schwangerschaft der Beaulah Annan war dann allerdings so schnell verschwunden wie sie gekommen war. Die Mörderin selber verschwand in einem Sanatorium, wo sie 1928 verstarb.
Les Miserables
Jean Valjean wird nach 19 Jahren aus der Haft entlassen. Fünf Jahre bekam er für den Diebstahl eines Brotes, 12 für verschiedene Fluchtversuche. Polizeiinspektor Javert schärft ihm ein, sich von nun an ja an das Gesetz zu halten. Tatsächlich glaubt dieser an eine angeborene tief verwurzelte Bosheit jedes straffällig gewordenen, die dieser nie wird abschütteln können. So sieht er auch in Valjean jemanden, den er früher oder später im Gefängnis wiedertreffen wird. Dieser jedoch will mit dem Gesetz nicht mehr in Konflikt geraten und ein friedliches Leben führen. Doch die Zeiten sind hart.
Das Medley:

Toulon, 1815, die Not ist groß. Für einen Hungerlohn arbeitet die Unterschicht Frankreichs und das nur, um "AT THE END OF THE DAY" einen Tag gealtert zu sein. Keine Perspektive bietet sich, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft ist begraben. Unter den Arbeitern ist Fantine, ein Mädchen, das früh auf den ersten Blick verliebt zur Mutter der kleinen Cosette wurde. Doch war ihr kein Glück bescheiden. Der Vater verließ die junge Familie. Und doch denkt sie zurück an die Zeit ihrer Liebe, als ihr Leben wie ein Traum war: "I DREAMED A DREAM".
Ihre Tochter Cosette lebt bei dem Wirtspaar Thenardier. Die beiden werden von Fantine für den Unterhalt der Tochter bezahlt, da sie neben dem unbarmherzig harten Broterwerb nicht um Cosette kümmern kann. Doch auch Cosette hat ein schweres Los zu tragen. Als kleines Kind schon muss sie die Dienste einer Magd übernehmen und bekommt kaum Essen oder Kleidung. Nachts träumt sich Cosette weit weg ihr "CASTLE ON A CLOUD", in dem es weder böse Erwachsene, noch weinende Kinder gibt.

Jahre später wird die Situation des Volkes in Paris unerträglich, doch Widerstand formiert sich. Eine Gruppe revolutionärer Studenten plant den Volksaufstand. Als der Bewegung nächste Politiker ermordet wird, ist das die Geburtsstunde der Revolution. Immer mehr werden sich ihr anschließen, wenn sie einmal ins Rollen gerät, da es überall in Paris brodelt. Marius, der Anführer der Stundentenschaft verkündet die Stunde der Entscheidung und schwört seine Kampfgenossen auf den kommenden Kampf ein: "DO YOU HEAR THE PEOPLE SING".
Eponine, die sich dem Kampf der Studenten angeschlossen hat, ist heimlich verliebt in Marius, der sich jedoch für Cosette entschieden hat. Eingesetzt als Botin schleicht Eponine nachts durch die Straßen von Paris und träumt von einer nicht erreichbaren Zukunft. "Nur für mich" ("ON MY OWN") ist sie mit Marius zusammen, kann sich an seiner Seite ausruhen und das wahre Glück fühlen. Doch weiß sie, dass das nie geschehen wird. Trotz oder gerade wegen des tragischen Inhalts, ist dieses Solo, wie auch das von Fantine, ein Showstopper.

Hinter den Barrikaden bereiten sich die Revolutionäre auf den Kampf vor. Valjean hat sich ihnen angeschlossen, um Marius schützen zu können, der Cosette liebt. In der Ruhe vor der Schlacht betet Valjean für Marius´ Sicherheit. Mit "BRING HIM HOME" hat das Musical "Les Miserables" ein Solo, in dem Valjeans Gebet bestens aufgehoben ist. Am Ende seines Lebens schreibt Valjean sein Testament. Die Begleiter seines Lebensweges treten an den Sterbenden; Fantine, Eponine, Cosette, Marius und all die Kampfgenossen der Revolution. Ein sanfter Abgesang voll Liebe und Dankbarkeit steigert sich zum erneut erklingenden "Lied des Volkes", das im "FINALE" mit gewaltig auftrumpfendem Chor und vollem Orchester ein Stück Musikgeschichte beschließt.
Jesus Christ Superstar

Über den Inhalt des Musicals "Jesus Christ Superstar" muss man kaum noch Worte verlieren. Die moderne Vertonung der letzten sieben Tage im Leben des Jesus von Nazareth war neben dem Durchbruch für das Komponisten- und Autorengespann Andrew Lloyd-Webber und Tim Rice ein äußerst kontrovers diskutiertes Ereignis in der Musikgeschichte. Die Rockoper beschreibt Jesus zwar als strahlenden Heilsbringer, gibt aber ausgerechnet Judas ein Forum, seine Zweifel am Ansatz und der Durchführung des göttlichen Plans zum Ausdruck zu bringen. Das macht ihn schlussendlich zum tragischen Verräter, der durch seine Tat den letzten nötigen Stein zum Erlösungsgebäude Christi liefert: Jesus ans Kreuz zu bringen. Er sieht sich unverstanden, ausgenutzt und geächtet, was ihn in den Selbstmord treibt.
Trotz anfänglicher Proteste radikal-christlicher Gruppierungen setzte sich das Werk durch. Das dürfte neben dem Bekanntheitsgrad der Geschichte an der Qualität der Musik gelegen haben. Selten ist ein Musical mit so vielen verschiedenen stilistischen Einflüssen geschrieben worden. Ragtime, Balladen, Funk Soul und Blues, Rock ´n´ Roll und Pop finden sich hier ebenso wie hochdramatische Soli (Gethsemane) und Ensembles. Hier sticht vor allem die Verurteilung Jesu hervor, die von sämtlichen vorhandenen Musikmitteln gebrauch macht: Volles Orchester, Band, Chor und Solisten; Klassisch und rockig.

In "HEAVEN ON THEIR MINDS" sieht Judas Iskariot die Entwicklungen der Dinge mit wachsendem Unbehagen. Er scheint nicht an Jesus´ Gottheit zu glauben und sieht in ihm eher einen Propheten, der sich zu weit aus dem Fenster lehnt. Judas sieht den Blick der Menge von der Realität entfernt und durch die verklärten Bilder des Himmels vernebelt. Jesus könne die geweckten Erwartungen irgendwann nicht erfüllen und würde sich und alle, die mit ihm sind, ins Verderben stürzen. Dieser das Musical eröffnende Rocksong stellt gleich die Position des Judas dar. Er ist auf Jesus Seite, sieht das Geschehen aber nicht aus einer Euphorie heraus (die allen anderen unterstellt wird), sondern eher realistisch-pessimistisch.
Maria Magdalena hat sich in Jesus verliebt. Sie respektiert jedoch seine Sendung und kann sich nicht sicher sein, ob ihre Gefühle erwidert werden. So stellt sie sich in "I DON'T KNOW HOW TO LOVE HIM" selbst die Frage, ob ihre Liebe eine Chance hat, ohne wirklich zu einer Antwort zu kommen. Dieser Monolog ist einer der berühmtesten Balladen der Musicalliteratur, die wohl neben "Memories" eine der am häufigsten im Konzertsaal gespielten Lloyd-Webber Komposition ist.
Mit "SUPERSTAR" wird fast am Ende des Musicals die unverkennbare JCS-Fanfare eingeführt. Dieses nur aus drei Akkorden bestehende Intro leitet grandios zu Judas´ Schlussgesang über, der aus einem mitreißenden Rocksong besteht. "Ist es das, was Du wolltest?" und "Hättest Du in modernen Zeiten nicht mehr Erfolg gehabt?" ruft er Jesus zu. Dies Fragen werden nicht innerhalb der Realzeit des Musicals gestellt, sondern stehen quasi losgelöst von Raum und Zeit für sich.
Elisabeth

Millionen haben Romy Schneider als (Märchen)Kaiserin Sisi von Österreich erlebt. Doch das wahre Leben Elisabeths sah anders aus. Eingesperrt vom Hofzeremoniell, müde von staatlichen Intrigen und politischem Ränkespiel, ihrem Schönheitswahn verfallen und letztlich unglücklich in ihrer Ehe ist sie eine der tragischen Gestalten der Geschichte. Eine näher an das historische Original angelehnte Darstellung der Geschichte der Kaiserin von Österreich versucht das Musical "Elisabeth": Knallhart ist der Drill am Wiener Hof, komplett von der Politik gefordert Franz-Josef, der noch dazu unter der Fuchtel seiner Mutter steht, die ein strenges Regiment führt.
Ebenso gnadenlos ist jedoch auch Elisabeth, die enttäuscht vom Leben vor allem ihre eigenen Pläne verfolgt, und das ohne Rücksicht auf ihren Mann und immer mehr auch ohne Rücksicht auf ihren Sohn Rudolf oder gar das österreichische Volk. Die gezeigten Ballkleider und (sparsam eingesetzte) Walzermusik werden hier nicht zur Darstellung von Lebensfreude, sondern eines starren Korsetts des ausweglos strengen Hofprotokolls. Elisabeth ist depressiv. Das Leben hat ihr nichts von dem zu bieten, was sie sucht und was Erfüllung von Träumen zu sein scheint, hat immer eine hässliche Kehrseite. Die wachsende Todessehnsucht Elisabeths ruft den Tod in persona auf den Plan, der sie nach und nach für sich einnimmt, bis sie ihn tatsächlich lieben lernt. Als sie dem Attentat des Luigi Lucheni zum Opfer fällt, ist das für sie kein tragisches Ende, sondern die wahre Erfüllung eines Traums...

In dem Duett "WENN ICH TANZEN WILL" ist Elisabeth noch nicht bereit, ihr Leben als verloren zu betrachten und sich dem Tod hinzugeben. Sie will kämpfen und selbst die Geschicke bestimmen. Dieses Duett des Todes mit Elisabeth stellt für den Moment die Positionen klar. Elisabeth steht auf dem Höhepunkt ihrer Macht und strotzt vor Kraft...noch...
Nach der Hochzeitsnacht beginnen gleich die minutiös geplanten Verpflichtungen der jungen Kaiserin, die darauf nicht vorbereitet ist. Der ihr frisch angetraute Franz Josef ist hier unfähig, für sie einzutreten, da er von klein auf nur dieses Zeremoniell kennt und es als selbstverständlich und gegeben hinzunehmen gelernt hat. Elisabeth ist dazu jedoch nicht bereit. In dem dramatischen Solo "ICH GEHÖR' NUR MIR" stellt sie klar, dass niemand das Recht hat, über sie und ihren Lebenswandel zu bestimmen.

Elisabeth ist jedoch einem Schönheitswahn verfallen, da sie gemerkt hat, dass sie durch gesteigerte Anziehungskraft mehr Einfluss auf Politik und Geschick am Hofe hat, um sich selbst zu verwirklichen. Ein Bad in heißer "MILCH" gehört da zur täglichen Körperpflege. Das Volk draußen auf den Strassen jedoch steht lange Stunden an, um ein wenig Milch für ihre Kinder und den eigenen Bedarf zu bekommen und geht leer aus. Die Stimmung schlägt um, die Menge explodiert. Angeheizt von Luigi Lucheni wird die Revolution nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Jekyll & Hyde - Auszüge aus der Gesamtaufführung
Als Höhepunkt des Gala-Abends wurden die Anwesenden im Rittersaal des Bedburger Schlosses nochmals ins Victorianische Zeitalter entführt, ins London des 19. Jahrhunderts.

In "MÄDCHEN DER NACHT" reflektieren die Prostituierte Lucy und ihre ältere Kollegin Nelly über ihr Leben. Alles was zählt ist die Zufriedenheit des Kunden. Das eigene Leben spielt kaum eine Rolle, an eine Zukunft und ein besseres Leben solle man besser nicht denken. Doch Lucy lässt sich von ihren Träumen nicht abbringen. Frank Wildhorn komponierte hier eine melancholische Ballade, die gleichzeitig die Trostlosigkeit und die Hoffnung ausdrückt. Dieses Duett der beiden Frauen gehört zu den Glanzpunkten der Partitur.
Im Bordell "Die Rote Ratte" wird von den Freiern der Auftritt von Lucy gefordert, dem Star des Etablissements. Mit ihrem schmissigem Gesang und fetzigen Tanzeinlagen des Prostituierten-Ensembles führt sie in "SCHAFFT DIE MÄNNER RAN" die ganze Bandbreite ihres Berufs von den Anfängen bis heute aus. Eine Lebensgeschichte der besonders interessanten Art.

Lisa Carew und Lucy Harris träumen in "NUR SEIN BLICK" vom selben Mann. Ohne sich zu kennen, auch nur von einander zu wissen oder sich je gesehen zu haben sind beide einig, dass dieser Mann das wahre Glück bedeutet. Auch hier zieht Frank Wildhorn alle Register. Diese Ballade zeigt zwei Frauen gemeinsam auf der Bühne aber Welten von einander entfernt in einem Gefühl vereint.
Edward Hyde hat sich in die Rote Ratte verirrt. Auch er begehrt Lucy. Diese ist von seiner Brutalität abgestoßen, fühlt sich jedoch rein körperlich zu ihm hingezogen und lässt sich auf ein "GEFÄHRLICHES SPIEL" ein. Hydes Kraft und Ungestüm faszinieren sie trotz ihrer Ängste. Das Duett der beiden knistert förmlich vor Spannung und Verlangen. Das dünne Eis, auf dem sich Lucy bewegt, knackt bedrohlich. Gänsehaut pur.

Die "FASSADE", die sich als Hauptthema durch das ganze Musical zieht, bildet den krönenden Abschluss der Gala. Das Thema klang bereits im Eingangsmedley an, hier nun die Komplettfassung. Sie zeigt erneut und eindringlich, wie dünn die protztriefende Fassade ist, die Privilegierten aufrecht erhalten, um ihr wahres Gesicht zu verbergen.
Die San Francesco Musical-Gala hat vor viermal ausverkauftem Haus einen kleinen Vorgeschmack davon gewährt, was die Zuschauer im November 2011 erwartet. In Kooperation mit der Stadt Bedburg und der Kulturstiftung der KSK wird der Dekanatsjugendchor San Francesco dieses großartige Musical auf die Bühne von Schloss Bedburg holen - und das sicher öfter als nur viermal...
"Ein Blick hinter die Fassade" - Pressemitteilungen zur San Francesco Gala
Pressemitteilungen